Kapitel 17

Justus

 

 

Sofie stand der Widerwille ins Gesicht geschrieben. Ihr passte die Musik nicht. Ihr passten die Leute nicht. Und natürlich gefiel ihr auch der Laden nicht. Gut, das Sausalitos war dekoriert, als hätte ein Karnevals-Wagenbauer sich im Drogenrausch ausgetobt. Trotzdem hatte die Bar Charme.

»Kannst du nicht zumindest so tun, als hättest du Spaß«, fragte ich, während sie sich steif wie ein Stock über die Tanzfläche führen ließ.

Sofie setzte ein demonstratives Lächeln auf. So zuckersüß, dass man Angst haben musste, ihr würde im nächsten Moment Honig von den Lippen tropfen. »Meinst du so?«, fragte sie spitz.

Ich spürte, wie der Ärger in mir hochkochte. Den ganzen Nachmittag über hatte ich mich auf einen netten, unkomplizierten Abend mit Jo und ihren Freunden gefreut und was bekam ich? Die Eisprinzessin. »Okay, was ist los? Sag es mir, dann stellen wir es ab oder gehen.«

Sofie ließ die Mundwinkel sinken. »Dein Charme rostet ein, mein Lieber. Früher hättest du mich nicht genötigt, zu dieser blöden Veranstaltung zu gehen.«

Ich war baff. »Hatten wir nicht am Telefon geklärt, dass ich hier hin will? Wenn du gesagt hättest, dass dir das nicht gefällt, hätten wir das Treffen verschieben können.« Mittlerweile standen wir auf der Tanzfläche. Ein Paar nach dem anderen rempelte uns an.

Sofie quittierte das mit dramatisch spitzen Schreien. »Hättest du auch nur eine Spur von Feingefühl, hättest du gemerkt, dass meine Schuhe nicht für einen Gewaltmarsch gemacht sind und dass ich für diesen Zirkus hier nicht angezogen bin.« Sie hob die Mundwinkel, aber das klebrig süße Lächeln wollte ihr nicht mehr gelingen. Vielmehr sah es aus, als würde sie die Zähne blecken.

Es war, als hätten wir nie eine Auszeit voneinander gehabt. Szenen einer Ehe. Darüber hatte ich erst neulich etwas gelesen. Unterbewusst speicherte man die letzte Erfahrung, die man mit jemandem gemacht hatte. War man gut auseinandergegangen, traf man den anderen gern wieder. Hatte es aber Streit und einen Ehekrieg gegeben – reagierte man, wie Sofie es gerade tat.

Ich griff nach ihrer Hand und zog sie von der Tanzfläche in Richtung Bar. Dort war es zwar nicht viel leerer, aber wenigstens rempelte uns niemand an. »Kann ich dir etwas bestellen? Einen Cocktail vielleicht?« Irgendwie würde ich es schaffen, diesen Abend zum Guten zu wenden. Eine positive Erfahrung, nach der wir gut auseinandergingen, dann sah es bei unserem nächsten Treffen vielleicht schon wieder viel besser aus.

»Lieber wäre mir, wir würden zu dir gehen. Du hast doch sicher einen guten Wein da.« Diesmal schenkte sie mir ein aufrichtiges Lächeln.

Ich überlegte kurz. Allein konnte ich Sofie schlecht zum Auto zurückgehen lassen. Hier bleiben und mir den Abend von ihr verderben lassen, wollte ich aber auch nicht. »Also gut, gehen wir«, sagte ich und mühte mich, Begeisterung vorzutäuschen. »Lass mich nur noch kurz von Jo verabschieden. Schließlich waren wir verabredet.«

Sofie machte einen Schmollmund, wartete aber geduldig.

Mit den Augen suchte ich den Laden nach Jo ab und fand sie in den Armen eines Schönlings, der ziemlich auf Tuchfühlung ging. Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Waren denn jetzt alle verrückt geworden? Was wollte sie mit diesem Blender?

Sofie schien ihn ebenfalls entdeckt zu haben. »Scheint so, als würde sie es verschmerzen, wenn du jetzt gehst. Was hast du überhaupt mit diesem Mädchen, Justus? Sie war ja ganz nett, als sie mich im Laden besucht hat. Aber sie ist doch gar nicht dein Typ. Viel zu ... Hippie. Fehlt nur noch, dass sie sich Blumen ins Haar steckt und mit Henna ein Peace-Zeichen auf ihre Stirn malt.«

Es gefiel mir nicht, wie Sofie von Jo sprach, aber die Eifersucht, die in den Worten mitschwang, gab mir Hoffnung. Mit Jo konnte ich immer noch in Ruhe reden. Ich nahm mir vor, morgen früh ein bombastisches Frühstück auf der Terrasse herzurichten und Jo dazu einzuladen, sobald sie die Vorhänge aufzog. Wenn das nicht reichte, um mich für meinen plötzlichen Abgang zu entschuldigen, könnte ich mich immer noch als Hutmodel anbieten.

»Du hast recht, lass uns gehen«, ich nahm Sofie beim Arm und bahnte uns einen Weg durch die Menge.

»Grundgütiger, du treibst es mit deinen Recherchen ganz schön weit«, sagte sie, während wir uns zwischen den Rauchern durchschlängelten, die in einer dichten Traube vor dem Laden standen. »Wenn du ein Schauspieler wärst, würde man es massive Acting nennen. Du gehst ganz auf in deinem Werk.« 

»Hm«, brummte ich und passte mich Sofies langsamem Schritt an. »Anfangs war es vielleicht so. Ich wollte in den Kiez, um mir Inspiration zu suchen. Mittlerweile sind die Übergänge aber fließend, ich mag die Leute, die ich treffe. Das Leben hier ist nicht so steif und gezwungen wie in Potsdam, wo mich jeder in der Nachbarschaft kennt. Bist du nicht aus dem gleichen Grund hierher gezogen?« Wir schlenderten einträchtig wie lange nicht nebeneinander durch die milde Nacht.

Sofie ließ sich Zeit mit der Antwort. »Um ehrlich zu sein, teile ich deine Erfahrungen nicht. Ich bin hergezogen, um etwas zu erleben. Ich wollte mich nicht damit abfinden, dass ich verheiratet bin und das Party-Leben für immer vorbei ist. Außerdem hatte ich Pläne für den Laden. Ich weiß, dass ich ein besseres Stilgefühl habe als die meisten. Wenn ich daraus nichts machen würde, müsste ich verrückt sein.«

Ich runzelte die Stirn. Klang so jemand, der am Ziel seiner Wünsche angekommen war. »Ja, du hast Talent und bist sehr stilsicher. Aber es hört sich nicht an, als hättest du gefunden, wonach du gesucht hast.«

»Nein ... nein ich mag die Menschen hier nicht. Sie sind laut, frech und übergriffig. Die Straßen sind schmuddelig, die Häuser heruntergekommen. Ich vermisse den Glamour, den man mit Berlin verbindet, die Kultur und die Modeszene. Stattdessen stolpere ich nur über tätowierte Männer mit albernen Bärten. Es sieht aus, als hätte sich eine ganze Generation Catweazle zum Vorbild genommen. Einfach widerlich.«

Ich blieb abrupt stehen und sah Sofie an. »Das kann nicht sein. Das hier ist eine Millionenstadt. Tausende Menschen pilgern täglich aus der ganzen Welt hierher, um sie sich anzusehen und dir ist sie nicht gut genug?« Möglich, dass ich etwas heftig wurde, aber dieses arrogante, aufgesetzte Getue kostete mich wirklich Nerven. Ich war hergekommen, um meine Frau zurückzuerobern. Die Sofie, die hemmungslos mit mir über die Potsdamer Snobs gelacht hatte, die morgens barfuß über das feuchte Gras zum See gelaufen war, mit wehendem Haar und einem verklärten Lächeln auf dem Gesicht. »Ich erkenne dich nicht wieder«, sagte ich und während ich es aussprach, kam mir meine eigene Stimme seltsam fremd vor. Ausdruckslos und leer.

Sofie wischte meine Einwände mit einem ungeduldigen Handwedeln beiseite. »Mein Gott, bist du jetzt unter die Gutmenschen gegangen? Dir dürfte doch auch schon aufgegangen sein, was für ein Fehler es war, aus Potsdam wegzugehen. Allerdings kannst du jederzeit zurück. Du hast die Villa. Ich hänge hier fest.« Sie zuckte die Schultern, und sah mich an, als wolle sie fragen: Begreifst du, wie ich leide?

Ich legte eine Hand in ihren Rücken und bedeutete Sofie, weiterzugehen. »Dir ist schon klar, dass ich dich mehr als großzügig abgefunden habe und die Wohnung, in der du lebst, ins Luxus-Segment gehört? Dazu der Laden, der genau so ist, wie du es dir vorgestellt hast. Warum so unzufrieden?« Ich spürte mein Herz rasen. Wenn sie jetzt sagte, dass sie einsam war, dass sie mich vermisste und zurückwollte, würde ich alles auf eine Karte setzen.

Doch sie sagte nichts und zuckte nur mit den Schultern.

Diese Geste war mir so vertraut, dass ich sie exakt lesen konnte. In diesem Falle hieß es: Was weiß ich? Ernüchternd. Aber längst nicht so schmerzhaft, wie ich es erwartet hatte. 

»Vielleicht habe ich mich einfach verrannt«, hob sie an. »Ich wusste nicht, wie gut es uns in Potsdam gegangen ist.« Ich fühlte, wie ihre Hand nach meiner tastete. Gerade jetzt, wo sie mir so fremd war, fand ich es unerträglich und zog die Hand spielerisch weg. »Lass uns einfach in der nächsten Woche essen gehen.« Wieder hob Sofie die Hand, diesmal, um an meinem Hemd herumzunesteln. »Bei einem Essen können wir uns auch in Ruhe über mein kleines Problem unterhalten. Was meinst du?«

Ich wich ihr aus. Die Hand sank. »Das mit dem Essen ist eine gute Idee. Komm doch einfach am Dienstag vorbei. Ich habe eine schöne Terrasse.« Ich lächelte unverbindlich. Was ich jetzt brauchte, war Abstand. Zeit, um mir einzureden, dass sie es nicht so meinte, dass sie nicht so berechnend war, wie es gerade den Anschein hatte. 

Falls Sofie mein Stimmungstief bemerkte, sagte sie nichts dazu und überging es lächelnd. »Dienstag passt mir hervorragend. Um acht?«

Ich nickte mechanisch und brachte sie zu ihrem Wagen, der nicht weit von unserer Tür entfernt stand. Nachdenklich sah ich zu, wie Sofie einstieg. Keine großen Abschiedsgesten. Aber das war noch nie ihr Stil gewesen. Sie war kühl und beherrscht, lebte die Attitüde, die sie sich in den letzten Jahren unserer Ehe zugelegt hatte. So kannte ich sie – und hatte dennoch das Gefühl, eine Fremde vor mir zu haben. Beklommen sah ich dem Wagen nach, bis die Rücklichter um die Ecke gebogen waren, dann drehte ich mich um, ging auf die Haustür zu und stutzte. Ich hatte mich auf diesen Abend gefreut. Bis jetzt war er kurz gewesen. Aber was sprach dagegen, einfach zurückzugehen und ihn zu genießen? Energisch schob ich den Schlüssel zurück in die Hosentasche.

Im Sturmschritt nahm ich den Weg zurück. Hatte ich mit Sofie eine Viertelstunde für die Strecke gebraucht, so schaffte ich es jetzt in fünf Minuten. Ich genoss die Menschen, die mir aus dem belebten Viertel entgegen kamen, selbst die rauchgeschwängerte Luft vor dem Sausalitos sog ich gierig in mich auf und öffnete die Tür. Falls es überhaupt möglich war, war der Laden jetzt noch voller.

Als erstes sah ich Lotte, die eng an den Schönling gepresst die Hüften kreisen ließ. Dann fiel mein Blick auf das kleine, ungleiche Pärchen an der Bar. The Lady in Red und die wandelnde Disco-Kugel. Lächelnd hielt ich auf Jo und Damian zu, die sichtlich gedrückter Stimmung waren.

»Ist der Tequila ausgegangen und ihr müsst die Zitronen pur lutschen?«, fragte ich und griff nach einem Barhocker, der gerade frei wurde. Ich schob ihn Jo unter den Po, die mich mit großen Augen ansah.

»Wo kommst du denn her? Ich dachte, die Mission Rückeroberung sei in vollem Gange?«

»So klingt wahre Freude«, erwiderte ich sarkastisch und zwinkerte ihr zu. »Also: Warum tanzt ihr nicht?«

»Weil Lotte Dennis zurückhaben wollte«, giftete Damian und wirkte darüber alles andere als erfreut. Hallo? Entsprach der Schönling etwa seinem Beuteschema? 

Dann fiel bei mir der Groschen. »Sag mal, ist das der Kurier, von dem neulich die Rede war? Der Kerl, für den du so schwärmst?«

»Aaah«, er legte die Hand theatralisch an die Stirn. »Du nicht auch noch. Bist du nicht gekommen, um das Tanzbein zu schwingen? Also dann, nimm das Mädchen hier mit und verschwinde. Für unsensible Naturen habe ich gerade keine Nerven.« Sehr dramatisch, doch konnte es nicht kaschieren, dass Damian tatsächlich gekränkt war.

»Dann mal los, Jo, bevor du mir noch einrostest.«

»Habe ich da auch ein Wörtchen mitzureden?«, fragte Jo.

Diesmal antworteten Damian und ich gleichzeitig. »Nein!«

Jo schüttelte lächelnd den Kopf.

»Ich werte das mal als ein Ja«, sagte ich, zog sie hoch und schob den Hocker Damian hin. »Schön drauf aufpassen. Der könnte heute noch unsere Rettung sein.«

 Um sie im Gewühl nicht zu verlieren, legte ich den Arm um Jos Schulter und schob sie bis zum Rand der Tanzfläche. Kaum waren wir angekommen, schmiegte sie sich in meinen Arm und wir ergaben uns dem hypnotischen Rhythmus. Ein Bein zwischen Jos Schenkeln, eine Hand tief in ihrem Rücken schob ich ihren Oberkörper von mir weg. Jo ging bereitwillig darauf ein und lehnte sich weit nach hinten, wobei ihre glänzenden Haarwellen nach hinten fielen. 

»Sehr sexy«, sagte ich, als sie sich mir wieder näherte und wir in den wilden Tanz der anderen Paare einstimmten. Ich konnte nicht sagen, ob es die Enge und das Gedränge waren, unsere schnellen Bewegungen oder die Nähe zu Jo. Was ich sicher wusste, war, dass ich mich seit Jahren nicht so lebendig und berauscht gefühlt hatte. Ich hätte ewig so weitertanzen können, doch Jo machte nach fünf Liedern schlapp.

»Ist es schlimm, wenn ich gehen möchte? Du kannst ja noch bleiben, wenn du magst.«

»Gar nicht schlimm«, sagte ich reflexhaft und zog sie zur Bar.

»Wir gehen«, rief Jo Damian entgegen, der davon kein bisschen überrascht schien.

»Ja, geht nur und habt berauschenden Sex. Tut es am besten einmal mehr für mich, denn ich«, er sah düster hinüber zu Dennis, »werde heute Nacht bestimmt nicht mehr auf meine Kosten kommen. Ich kann froh sein, wenn Lotte ihn abschleppt. So bleibt er wenigstens in der Familie.«

Jo umarmte ihn. »Sei nicht traurig. Musst du halt noch einen Frosch mehr küssen, aber der Prinz ist in Sichtweite. Vertrau mir.« Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich wieder losmachte.

Damian sah mich an und lächelte hintersinnig. »Du darfst mich zum Abschied gerne auch küssen«, bot er an.

»Erst beim dritten Date«,sagte ich und klopfte ihm auf die Schulter, bevor ich Jo aus der Bar bugsierte. »Ihm ist schon klar, dass das nie etwas wird, solange er so verbissen ist?«

Jo lachte. »Das darfst du nicht so ernst nehmen. Er gefällt sich in der Rolle des tragisch verschmähten Liebhabers, aber im Prinzip ist er sehr gern allein. Damian sagt von sich selber, dass er gern verschroben ist und nicht daran denkt, seine spleenigen Angewohnheiten aufzugeben, nur um regelmäßig Sex zu haben. Er verliebt sich, er zittert, er leidet, entfaltet seine ganze Drama-Palette und dann verliebt er sich wieder neu. Glaub mir, er kommt zurecht.«

Jo hatte ein zügiges Tempo angeschlagen. Ich sah, dass sie fröstelte. »Ich würde dir gern meine Jacke anbieten, aber irgendwer hat mir gezwitschert, dass es uncool wäre, mit einem Sakko aufzukreuzen.«

»Stimmt«, Jo lachte kurz auf. «Damian ist der geborene Stilberater. Aber mach dir um mich keine Sorgen, ich bin nicht aus Zucker.« Und damit legte sie noch einen Zahn zu.

Seltsamerweise ging es mir beinahe zu schnell. Ich genoss es so sehr, mit ihr durch die dunkle Nacht zu laufen, dass ich auch einen Umweg über das Kanzleramt in Kauf genommen hätte. Ich überlegte noch, ob ich Jo zu einem Absacker hereinbitten sollte, da stieß sie bereits das Tor zum Bogengang auf.

An meiner Haustür blieb sie stehen. »Na dann, komm gut nach Hause«, sagte sie und zwinkerte mir zu.

»Ich bringe dich noch rüber«, sagte ich und ging weiter, um die Tür zum Innenhof zu öffnen.

»Justus, ich glaube, den Weg ins Hinterhaus finde ich auch allein.«

»Und ich glaube, dass ich mir gerade in der Rolle des Gentleman gefalle. Also mach mir die Freude und geh die letzten paar Meter mir ihr.«

Sie ließ sich nicht länger bitten, sondern klapperte mit ihren Absätzen ein schnelles Stakkato auf das Pflaster. Augenblicke später hatten wir den Eingang zum Hinterhaus erreicht. »Na dann, danke fürs Bringen!« Jo hatte den Kopf in den Nacken gelegt und sah zu mir auf. Trotz der Absätze, die sie heute trug, überragte ich sie um Haupteslänge.

Ich beugte mich herab, und noch ehe ich wusste, dass ich es tun würde, legten sich meine Hände um ihre Wangen. Ein leiser Seufzer floss über ihre Lippen. Vielleicht hätte sie noch einmal geseufzt, doch dazu kam es nicht, denn ich verschloss ihren süßen Mund mit einem Kuss. Ohne zu zögern, ergab sie sich, öffnete leicht die Lippen, streichelte mit der zarten Haut über meinen Mund, bevor sie die Zunge folgen ließ und sich an mich drängte. Erst zart, dann immer leidenschaftlicher rangen unsere Zungen miteinander, streichelten, liebkosten, erforschten den anderen.

Sie war so süß, so unschuldig. Ich stieß die angelehnte Tür auf und drängte Jo in den Hausflur. Im gleichen Moment flammte das Licht im Treppenhaus auf und brachte mich in die Gegenwart zurück. Statt Sofie weiter zu halten, legte ich die Hände auf ihre Schultern und schob sie von mir weg.

Kurz flatterten ihre Lider, dann öffnete sie die Augen. Ich konnte in ihnen lesen wie in einem offenen Buch. Verwirrung und eine Verletztheit, die mich schäbig fühlen ließ. »Sag jetzt nichts«, presste sie tonlos hervor. »Ich hab’s kapiert: Es hat nichts zu bedeuten.« Ohne ein weiteres Wort, ohne mich zu Wort kommen zu lassen, drehte sie sich um, huschte die drei Stufen zu ihrer Erdgeschosswohnung hinauf, rammte den Schlüssel förmlich ins Schloss und schlüpfte in die Wohnung. Der unbeschreibliche Knall, mit dem sie die Tür hinter sich zuschlug, gellte mir noch in den Ohren, als ich im Bett lag.

 

Kapitel 18 erscheint am Sonntag, 9. September,  um 18 Uhr.

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